Warum Polonezköy?

Polonezköy (Polonez kommt von dem Wort Polen, Köy bedeutet Dorf) befindet sich in Beykoz-Istanbul und ist in Istanbul sehr bekannt.

Geschichte

Polonezköy ist in Geschichtsbüchern auch unter dem Namen Adampol vorzufinden. Während den Aufständen in Polen im Jahre 1830 hat der Parlamentsvorsitzende Prinz Adam Czartoryski (der spätere politische Führer der vertriebenen Polen) im Jahre 1842 dieses Dorf gegründet. Das Dorf wurde damals nach ihm (dem Gründer) genannt - Adamköy (tr.: Adamdorf, pl.: Adampol).

Damals lag das politische Zentrum der vertriebenen Polen in Paris. Das Ziel von Prinz Adam Czartoryski war daher ein zweites politisches Zentrum für die Polen innerhalb der Grenzen des Osmanischen Reiches zu schaffen. Daher hat er Michal Czajkowski als seinen Sprecher und Repräsentanten ins Osmanische Reich geschickt. Michal Czajkowski ist anschließend im Jahre 1850 zum Islam konvertiert und den Namen Mehmed Sadik Pasa angenommen. Später hat er das Grundstück, indem sich heute das Dorf Polonezköy befindet, gekauft. Anfangs betrug die Einwohnerzahl dieser Siedlung/ dieses Dorfes nur 12 Personen, später aber wurden 220 Einwohner gezählt (Höchststand zu dieser Zeit). Mit den Jahren entwickelte sich das Dorf weiter – die Zahl der Einwohner stieg durch die hinzukommenden polnischen Flüchtlinge aus Sibirien, aus tscherkessischer Gefangenschaft und dem Krimkrieg weiter in die Höhe.

Die ersten Einwohner des Dorfes haben sich mit Landwirtschaft, Tierzucht und Forstwirtschaft beschäftigt. Schon vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges fingen die ersten Touristen an Polonezköy zu besichtigen.

Im Jahr 1938 hat die Türkei den Einwohnern des Dorfes Polonezköy die Erlaubnis zur Einbürgerung erteilt. 1968 bekamen die Einwohner des Dorfes auch das Recht den Boden, den sie Jahre lang bearbeitet haben, als ihr Eigentum zu erwerben. Die Nachfolger/ Erben der Familie Czartoryski haben später als Zeichen des guten Willens und zu Gunsten der Einwohner auf ihr eigenes Erbrecht verzichtet.

Dank der guten Infrastruktur, der Lage und der wunderschönen Landschaft ist aus dem „Landwirtschafts- und Ackerdorf“ Polonezköy ein „Touristendorf“ geworden. Der Boden heute ist zwischen den Dorfbewohnern und den berühmten und reichen Persönlichkeiten aufgeteilt.

Durch die ständige Verbesserung der wirtschaftlichen Umstände und der Infrastruktur des Dorfes fingen die im Jahre 1980 (Militärputsch) ins Ausland geflüchteten jungen Menschen wieder an in das Dorf zurückzukehren. Sie errichteten beispielsweise Hostels, Restaurants und Teegärten um sie später zu betreiben.

Zu den berühmten Persönlichkeiten, die das Dorf Polonezköy besucht haben, zählen u.a. der ungarische Pianist Franz Liszt (1847), der französische Schriftsteller Gustave Flaubert (1850), der tschechische Schriftsteller Karel Droz (1904), der erste Präsident der Türkischen Republik (Türkei) Mustafa Kemal Atatürk (1937), der spätere Papst Nuncio Piskopos Angelo Roncalli (während seines Besuches taufte er einige polnische Kinder aus dem Dorf), der nach dem 2. Weltkrieg zum polnischen Außenminister gewählte Abgeordnete Adam Rapacki (1961) – zusammen mit türkischen Abgeordneten der derzeitigen Regierung. Außerdem kam die weltberühmte Persönlichkeit Leyla Gencer in diesem Dorf zur Welt.

Im Jahre 1985 hat der damalige Präsident Kenan Evren das Dorf besucht. Auch der Staatspräsident Lech Walensa war im Jahre 1994 im Dorf anwesend. Der spätere Staatspräsident Alexander Kwasniewski hat das Dorf sogar zweimal besucht – 1996 und 2000. Beim zweiten Besuch hat Alexander Kwasniewski sich das Haus von Zofia Rizi Ani angesehen. Zwei weitere Jahre später wurde die Gründung und damit das 160. Gründungsjahr der Dorfes Polonezköy offiziell gefeiert.

Durch die sich ständig verbessernden türkisch-polnischen Beziehungen empfangen die Dorfsbewohner einerseits immer häufiger und öfter Gäste aus Polen und besuchen andererseits immer öfter selber Polen - das Land ihrer Vorväter.

Derzeit leben in Polonezköy circa 1000 Einwohner. Nach Schätzungen zufolge sprechen von diesen 1000 Einwohnern ungefähr noch 40 Leute polnisch. Jeden Sommer findet im Dorf das Polonezköy-Festival statt, um an die polnischen Wurzeln zu erinnern. Die finanziellen Mittel für die auftretenden polnischen Volklorgruppen (poln. Volkstänze werden vorgeführt) übernehmen die Dorfbewohner selbst.

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